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Seit knapp 14 Jahren
existiert der Avena-Hof in seiner jetzigen Form.
Wir, zur Zeit sind
wir 3 Familien mit insgesamt 5 Kindern, ein Paar und eine Einzelperson, versuchen unseren Traum vom Leben in einer
Gemeinschaft, das geprägt ist von
gegenseitigem Respekt, Freundschaft und
Unterstützung, in
die Tat umzusetzen.
Wir sind sowohl politisch als auch religiös unabhängig.
Jede Familie lebt in ihrer eigenen Wohnung und verdient ihren eigenen
Lebensunterhalt, zum Teil ausserhalb und zum Teil auch als Selbständige hier am Hof.
Wir erledigen anstehende Arbeiten, wenn
möglich
gemeinsam (z.B. Renovierung, Land- und Gartenpflege...) und versuchen, uns gegenseitig bei der Umsetzung unserer Ideen,
Träume und Visionen zu unterstützen.
Eines unserer gemeinsamen Anliegen ist es, "Raum für
Begegnungen" zu schaffen.
So entstand vor einiger Zeit in
unserer
Scheune ein wunderschöner Seminarraum, ein kleines Bistro und eine Gemeinschaftsküche.
Anfangs für unsere Gemeinschaft geplant, erwuchs aus diesen
Räumlichkeiten eine Praxis für Physiotherapie (geleitet von
Stefanie Lück) und ein kleines Seminarzentrum.
Friederike
und Thomas kreieren hier am Avena-Hof Seminare und Workshops im Rahmen
alternativer Therapieformen. Sie laden Menschen der
unterschiedlichsten Herkunft ein, miteinander in Kontakt zu treten,
sich
auszutauschen und ein gegenseitiges Verständnis und Wohlwollen
zu entwickeln . Im Zuge dessen entstand auch der
gemeinnützige Verein "Anam Cara Network e.V."
(siehe hierzu: http://www.anamcara-network.de). Desweiteren leiten sie in Bamberg das Gesundheitszentrum am Alten Rathaus und das Kinesiologische Institut
(siehe hierzu: http://www.kinesiologisches-institut-bamberg.de).
Wenn
wir neben unserer täglichen Arbeit Kapazitäten frei haben,
veranstalten wir von Zeit zu Zeit auch Feste (Sommerfest,
Flohmarkt,
Weihnachtsfest...siehe unser Fotoalbum), die uns dabei helfen, den Menschen aus der Umgebung, auf eine leichte
und lockere Weise zu begegnen und gemeinsam zu feiern.
Die Kunst ist ein wichtiger
Spiegel
unserer Gesellschaft und bereichert, erfreut, erheitert gleichzeitig
unser aller Leben...
...so veranstalten wir ab und zu ein Konzert, eine Kunstaustellung, oder einen Bildhauer-Workshop...
...laden
eine Schulklassen ein, hier am Hof mit unserer befreundeten Bildhauerin
Steine zu bearbeiten oder am Lagerfeuer, im Tipi, zu
übernachten.
Trotz
all dieser Aktivitäten führen wir hier auf dem Avena-Hof ein
recht beschauliches Leben. Unsere Privatsphäre ist uns heilig und
so ist z.B. unser Innenhof für die Öffentlichkeit
(PatientInnen und SeminarteilnehmerInnen) nicht zugänglich.
Aktivitäten wie z.B. Praxis, Seminare, Vereins- und Projektarbeit, Feste, usw.
finden grundsätzlich im Scheunentrakt statt und beeinflussen dadurch nicht unsere Wohnqualität.
Ein Hinweis, der dazu dienen soll, unnötige Spekulationen zu vermeiden...
Auch wenn unser Leben und unser Weg manchem/r Leser/in
ungewöhnlich erscheint...wir sind dennoch sehr
bodenständige Menschen
und haben mit jeglicher Art von Sekten nichts zu tun ...
Und nun zu unserer
Geschichte....wie es dazu kam:
Eine Lebensgemeinschaft beginnt im Herzen,
durch Liebe
und Verbindung verschiedener Menschen. Diese Menschen träumen
einen gemeinsamen Traum - eine Vision entsteht.
... als wir uns Menschen
trafen, fand zwischen uns
eine außergewöhnliche Begegnung statt, die keiner
von uns
erwartet, geplant oder absichtlich herbeigeführt hatte. Eine
Begegnung, die über kulturelle und sprachliche Grenzen
hinausging... ein Augenblick eines Gefühls und einer
Gewißheit, zu Hause zu sein... ein Erkennen und Erinnern...
wie
ein Wiederbegegnen der Familie.
Vom ersten Moment an war uns
bewußt, daß
diese Menschen eine Bereicherung in unserem Leben sein würden.
Es
entstand der Wunsch in uns, uns gegenseitig ein zu Hause zu geben, eine
Familie zu sein und die alltäglichen Pflichten und Aufgaben
gemeinsam anstatt alleine zu tragen. Wir entschieden uns von Beginn an,
uns gegenseitig zu vertrauen und waren uns bewußt,
daß
unsere gemeinsame Reise ein großes und aufregendes Abenteuer
sein
würde.
Es fand eine Initialzündung statt...
Sehr rasch und ohne Umschweife begannen wir, durch unsere individuellen
und gemeinsamen Heilungs- und Klärungsprozesse zu gehen.
Einige von uns, die nicht weitergehen wollten oder die auch nicht zur
Gemeinschaft paßten, fielen ab, gingen eigene Wege oder
wurden
von uns gebeten, die Gemeinschaft zu verlassen.
Zu denjenigen aber, die entschlossen und konsequent weitergehen
wollten, wuchs eine tiefe und innige Beziehung.
Diesen gemeinsamen Weg zu gehen bedeutete
praktisch:
die Bereitschaft zu haben unser Leben zu verändern;
überholte
Muster und Gewohnheiten loszulassen; unsere Energie in Form von
gegenseitiger Unterstützung, Arbeitskraft und finanziellen
Investitionen einzusetzen; ehrlich miteinander umzugehen; unsere Kraft
dafür einzusetzen, die Dinge die wesentliche Bedeutung in
unserem
Leben haben zu fördern; persönliches Wachstum,
Integrität und gegenseitige Achtung wurden wesentliche
Bestandteile unseres gemeinsamen Lebens.
... und wir waren bereit, viel Zeit und Geduld für uns und
unsere Vision aufzubringen.
... der Wunsch entstand, unsere Erfahrungen zu manifestieren und mit
der Welt zu teilen.
Wir fanden ein Stück Land und einen
Hof in der
Fränkischen Schweiz und begannen unser gemeinsames physisches
Haus
in Form mehrerer Wohnungen zu bauen.
Der Name Avena-Hof tauchte in Träumen auf (Avena, lat. Wilder
Hafer).
Avena, der Hafer wurde früher auch als das "Gold der Nordens"
bezeichnet, sprich als etwas sehr wichtiges und wertvolles
(Grundnahrungsmittel) und für uns entstand daraus: "das was
wichtig ist".
So wie für uns selbst, reifte in uns der Wunsch, auch anderen
die
Möglichkeit zu bieten, zu Ihrem wesentlichen Kern, Ihren
Wurzeln,
zur Erde, Ihren Gefühlen und Ihren Herzen zu finden. Der
Avena-Hof
sollte eine Oase der Bewußtheit für uns und andere
Menschen
sein.
Zum Ausdruck dessen wurde unser alljährlich stattfindendes
AVENA-HOF-GATHERING. Ein jährlich wiederkehrendes
Zusammenkommen
von Männern, Frauen und deren Kinder mit der Absicht, uns
gemeinsam auf "das was wichtig ist" in unserem Leben zu besinnen, es
miteinander zu teilen und zu feiern.
Wir halten Zeremonien ab, die uns den Übergang in neue
Lebensabschnitte bewußt machen und erleichtern helfen (z. B.
Mädchen zur Frau, Junge zum Mann ...zum/r Vater/Mutter ...
zum/r
Alten ...)
Wir ehren unsere Ältesten , hören deren Geschichten
zu und
verbringen auch Zeit alleine, unter Frauen bzw. Männern um uns
gegenseitig auszutauschen.
Mehr und mehr konnten wir erkennen, wie
schwierig und
einsam unser vorhergehendes Leben in unseren Kleinfamilien war, im
Gegensatz zu dem, wie wir jetzt miteinander leben.
Eine große Familie und doch sehr viel Raum für jeden
Einzelnen. Frauen, die Zeit haben, miteinander zu sprechen, zu
arbeiten, unter sich zu sein, Frau-sein-können; sowie
Männer,
die miteinander arbeiten, sich gegenseitig mit ihrem Wissen und ihren
Erfahrungen unterstützen. Menschen, die "Steine" und
Verantwortung
nicht mehr alleine tragen müssen; Kinder, die gemeinsam
aufwachsen, spielen und gleichzeitig mehrere Betreuungs- und
Bezugspersonen haben, ohne daß der vertraute
Kleinfamilienkreis
dabei verloren geht.
Sehr positiv für die Kinder ist die Möglichkeit,
verschiedene
männliche Identifikationsfiguren tagtäglich bei der
Arbeit
(Hausbau, Landpflege, Meetings...) beobachten zu können und
nicht
mehr "nur" Väter, die Abends von irgendwoher müde und
abgeschlafft nach Hause kommen, ohne das die Kinder sich
bewußt
mit den männlichen Rollen auseinandersetzen können.
Selbst eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern war hier nie allein
gelassen, sondern hatte ihren Kindern Ersatzmütter und
-väter
zu bieten, während sie einer regelmäßigen
Arbeit
nachgehen konnte, um Geld zu verdienen.
In unserer modernen Welt haben viele von uns die Stammesverbindung
(tribal-connection) verloren. Wir fühlen uns einsam und
isoliert
in unseren Heimen und unserer Art zu leben. Dies gekoppelt mit unseren
täglichen Verpflichtungen, die wir zu erfüllen haben,
um
überhaupt leben zu können in dieser Welt,
führen zu
vermehrtem Streß und einem Gefühl des irgendwie
getrennt
sein von einander. Die Illusion der Isolation wiederum gebiert eine
Mischung aus Angst und Mißverständnissen.
Durch das Zusammenführen von Menschen, das miteinander Teilen
unserer persönlichen Lebensgeschichten und das erarbeiten
gemeinsamer Ziele und Ideen entsteht ein Glücksgefühl
das
unsere Mauern der Angst und Isolation zum Einstürzen bringt.
Nicht
mehr allein/einsam, fühlen wir uns unterstützt und
sicher.
Ein selten erwähnter Gesichtspunkt, der uns aber sehr am
Herzen
liegt, ist die Heilung unserer Generationskonflikte. Ältere
Menschen leben oft vereinsamt, alleine oder in Altersheimen, werden
nicht mehr gebraucht, führen ein sinnleeres Leben und
fühlen
sich nutzlos und abgeschoben.
Deren Kinder bzw. die mittlere Generation ist oft nicht in der Lage
für die Älteren mit zu sorgen oder sie zu pflegen -
meist
eine Folge von Vollzeitarbeit. Das führt zu Konflikten
zwischen
"Alt und Jung", zu Mißverständnissen, schlechtem
Gewissen,
Lieblosigkeit, die natürlichen Familienbande werden
zerstört.
In einer Lebensgemeinschaft haben Alte einen Platz, an dem sie geachtet
und wertgeschätzt werden. Sie brauchen ihre täglichen
Pflichten und Aufgaben und bekommen ihrerseits den Schutz und die
Geborgenheit einer großen Familie. Wir schätzen ihre
Geschichten, ihre Erfahrungen, ihre Weisheit und ihre Zerbrechlichkeit.
Unsere Kinder, deren Enkel, erfahren unendlich viel Aufmerksamkeit und
Güte, die wir ihnen zum Teil nicht bieten können, da
wir, die
mittlere Generation oft viel zu beschäftigt sind. So
fühlen
sich die Kinder genährt und geliebt, die Alten sich geachtet
und
wertgeschätzt, die mittlere Generation, die noch sehr im
Außen beschäftigt ist (z. B. mit Geld verdienen
etc.), wird
dadurch immens unterstützt, da die Alten bestimmte Aufgaben
für sie übernehmen und sie dadurch entlasten.
Natürlich gibt es nicht nur eitel
Sonnenschein in
solch einer Gemeinschaft. Wie in jedem natürlichen
Prozeß
entstehen auch hier Spannungen, Unstimmigkeiten, Konflikte zwischen den
Menschen. Wir versuchen diese offen und ehrlich miteinander zu
klären.
Manchmal geschieht dies zu zweit oder zu dritt und ein andermal in der
gesamten Gruppe.
Dabei ist die Würde jedes Einzelnen unantastbar (siehe
Grundgesetz) d. h. niemand darf zu etwas gezwungen werden (auch nicht
subtil) das er/sie selbst nicht tun möchte.
Der Umgang, selbst in
großen
Konfliktfällen, sollte von gegenseitiger Achtung
geprägt sein
- und Zeit ist wichtig für jeden Entwicklungsprozeß,
auch
für die Entwicklung von Konflikten.
Jede/r neue Gemeinschaftsanwärter/in bekommt 1 - 1
½ Jahre
Zeit um sich hier einzuleben, d. h. mitzuarbeiten, zu spüren
"gehöre ich hierher oder nicht, fühle ich mich hier
wohl,
fühle ich mich in meinem Leben bereichert und
unterstützt
durch die Gemeinschaft?"
Und auch die Gemeinschaft hat diese Zeit um zu spüren und zu
erleben "paßt dieser Mensch zu uns, bereichert und
unterstützt er das Ganze bzw. mich persönlich?"
In dieser Zeitspanne wird meist sehr deutlich, welchen Platz eine
Person einnehmen kann und möchte und welche Aufgaben
für sie
angemessen sind. Wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten
und
Potentiale (Hausbau, Handwerk, Landpflege, Garten, Tierpflege,
Kindererziehung, Kochen, Organisieren ...). Die wichtigste Frage dabei
ist, leben wir dieses Potential und geben wir uns ein?
Jeder von uns hat auch das Bedürfnis und das Recht allein zu
sein
und sich zurückzuziehen - Privatsphäre ist wichtig!
Eine Person jedoch, die nichts eingeben mag d. h. die Gemeinschaft
nicht unterstützt und bereichert, kann nicht Teil der
Gemeinschaft
sein. Wir entscheiden dann gemeinsam und in bestimmten Fällen
bitten wir dann die betreffende Person zu gehen.
Die Gemeinschaft verändert, bewegt sich und wächst
... und so tun es die Menschen der Gemeinschaft.
Ziele und Visionen verändern sich
kontinuierlich mit
der Veränderung der Menschen im Einklang mit deren
Entwicklungsprozessen und dem natürlichen Lebensrhythmus. Die
natürlichen Lebensphasen spiegeln sich in allen Bereichen
unseres
Lebens wider: Zeugung, Geburt, Wachstum, Reife und Tod. Und mit dem Tod
erfolgt der Neubeginn.
Von größter Bedeutung für die Entwicklung
und den
Bestand einer Gemeinschaft ist die bewußte Entscheidung der
Mitglieder, zusammen zu sein. Egal welche Idee oder Vision (ob
politisch-, pädagogisch-, Umwelt- oder spirituell-orientiert)
diese Gemeinschaft zusammen-bringt und -hält, diese Idee
braucht
unserer Erfahrung nach genauso wie wir Menschen, Verstand, Herz,
Körper und eine gemeinsame geistige oder spirituelle Grundlage.
Das Herz birgt die Liebe und die Verbundenheit unter den Menschen; die
geistige Idee oder Vision haucht diesem Zusammensein einen Sinn und
damit Leben ein; der Verstand dient der Struktur, Ordnung und
Organisation und im körperlichen Bereich setzen wir unsere
Idee
praktisch um, leben sie und bringen sie in die Welt.
Im gleichen Atemzug wird wichtig, wie diese Gemeinschaft
geführt
wird bzw. sich selbst führt.
Es braucht natürliche
Führungspersonen,
die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und zu leben,
ohne
dabei andere Mitglieder zu regieren und zu kontrollieren. Durchaus
können dabei verschiedene Personen unterschiedliche
Führungspositionen - entsprechend ihren Fähigkeiten -
übernehmen. Wie gesagt wir sprechen von natürlichen
Führungspersonen oder Autoritäten, nicht von einem
oder
mehreren Bossen.
Eine Gemeinschaft kann darüber hinaus nur funktionieren, wenn
jede/r Teilnehmer/in sich bewußt entscheidet zu 100 %
verantwortlich für sich selbst zu sein - soweit dies eben
möglich ist - seine/ihre Fähigkeiten und Potentiale
einzugeben und ihr/sein Wunsch das Leben kontinuierlich zu verbessern;
d. h. als Persönlichkeit zu wachsen und gleichzeitig andere in
ihrem Wachstum zu unterstützen.
Das Resultat ist ein gleichwertig und wichtig sein und ein
Gefühl des geliebt und geachtet sein in der Gemeinschaft.
...und noch eine Geschichte und einige Gedanken dazu...
Aus: Der Erde eine Stimme geben
Hg. Claus Biegert, Hamburg 1987
Wilfried Pelletier
Frei wie ein Baum
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